Braunschweiger Zeitung, 01.10.2009
Beim Wildkrokus-Projekt von Rochus Jonas werden derzeit 110 000 Blumenzwiebeln vergraben
Von Karsten Mentasti
NORDSTADT. Das hätte sich Rochus Jonas wohl kaum träumen lassen, als er im April die
Zustimmung des Bezirksrats erhielt, Wildkrokusse in den Straßen des Siegfriedviertels zu
pflanzen.

Derzeit verbuddelt er mit rund 400 Schülern und Anwohnern sage und schreibe 110 000
Krokuszwiebeln.
Damit dürfte der seit drei Jahren im Stadtviertel ansässige Familienvater sein Ziel
erreichen, dass Anfang 2010 die Frühblüher das Quartier zwischen Hamburger Straße und
Bienroder Weg in ein blaues Band verwandeln. „Ich möchte die Lebens- und Wohnqualität
erhöhen und in der noch tristen Jahreszeit Ende Februar/Anfang März das Quartier farbiger
machen", betont Jonas.
Der 43-jährige Ingenieur im TU-Institut für Bio Verfahrenstechnik verfolgt mit der
generalstabsmäßig vorbereiteten Pflanzaktion noch ein weiteres Ziel: „Kinder aus dem
Stadtteil sollen den natürlichen Prozess erleben, jetzt zu pflanzen und Anfang nächsten
Jahres das Ergebnis zusehen."
Nicht nur bei den Schülern der im Quartier ansässigen Schulen, die sich in dieser Woche an
der Pflanzaktion beteiligen, sondern auch bei den Erwachsenen hofft er auf wachsende
„Identifikation mit ihrem Lebensumfeld". Spontan hat er sogar Jugendliche vom Burgundenplatz zum Mitmachen bewegt.
Mitglieder der Kirchengemeinde und eines Kleingartenvereins haben sich ebenso angeschlossen wie 40 Hauseigentümer und ihre Familien, Geschäftsinhaber aus der Nordstadt und Fußballer des SV Olympia. Ebenfalls haben sich Bewohner der Lebenshilfe-Wohnanlage am Mittelweg begeistert beteiligt.
Wie viel Arbeit sich Rochus Jonas mit seinem Projekt aufgehalst hat, ahnte er im April noch
nicht. Durch Hunderte Gespräche hat er Partner und Unterstützer gefunden, hat nichts dem
Zufall überlassen und 300 bis 400 Arbeitsstunden aufge¬bracht. Für 2000 Euro, die aus
unterschiedlichen Töpfen und Initiativen zusammenkamen, hat er Krokuszwiebeln geordert. „10 000 Knollen hat der Lieferant gespendet, weil er die Idee so toll fand. Auch die im
Siegfriedviertel vertretenen Wohnbaugesellschaften sind eingebunden, teils mit Spenden,
teils mit tatkräftiger Unterstützung oder Pflanzaktionen durch eigene Gärtner.“ Auch die
Stadtverwaltung konnte Jonas mit seiner Idee begeistern.
Die Wildkrokus-Idee strahlt schon aus in einen anderen Stadtteil. Werner Behm aus
Kralenriede, Privatmann und von Beruf Gärtner, hat von Jonas 5700 Krokuszwiebeln erhalten,
die er mit Schülern an der Grundschule und an weiteren Stellen pflanzen will.








